15.7.06

Generationen hinterm Ladentisch

Bei meinem allsamstäglichen Einkauf traf ich heute auf zwei
sehr unterschiedliche Verkaufsstrategen:

1) beim Uhrenmacher: mein Gegenüber, männlich, hager, leicht faltig, abgeklärt, sehr passiv, pries seine Waren nicht von sich aus an, reagierte nur auf meine Fragen, wollte mir nicht den teuersten Reisewecker schmackhaft machen, sondern sagte nur: "Der ist von Junghans, deshalb kostet er 19Euro, die anderen kommen aus Japan". Na, bestens" ;)
Schade, nach dem entscheidenden Merkmal hab ich nicht gefragt: die Lautstärke des tick - tack - tick - tack....

2) Filiale einer Schreibwarenladenkette: ich war mit einem gezielten Bedürfnis gekommen, hatte es gleich am Eingang als zu befriedigen gefunden und ging damit zur Kasse. Dort traf ich auf eine junge, pausbäckige Einzelhandelskaufrau mit frecher kupferrot-getönter Kurzhaarfrisur, der ihr Job richtig Spass zu machen schien. Meinem Vorgänger an der Kasse schickte sie nach dem Bezahlen nicht etwa das übliche "schönes Wochenende" entgegen, sondern "Möchten Sie einen Ordner, wir haben gerade Aktion." Verblüfft lehnte er ab. Als ich an der Reihe war, wurde mir der Erwerb eines Klebefilm-Spenders vorgeschlagen. Auch ich lehnte dankend ab. Obwohl, immer muss ich erst ein paar Minuten zu Hause danach suchen... Vielleicht beim nächsten Mal.

So hat sich die Auffassung des Verhältnisses zwischen beiden Seiten des Ladentisches verändert: Vom mündigen Bürger, der am besten weiß, was er braucht und wissen möchte und der Verkäufer als Dienstleister zum Konsumenten, in dem Wünsche geweckt werden müssen, für Dinge, von denen er noch gar nicht wußte, dass er sie brauchen könnte.

Auf jeden Fall ist der Einkauf im Laden immer noch lebenswerter als der übers Internet.